Die Erwartungen an Baños sind hoch, da wir von allen Seiten gehört haben, wie schön es dort sein soll. Und je näher wir der kleinen Stadt kommen, umso vielversprechend zeigt sich auch die Landschaft. Von der Hochebene geht es ein großes Stück hinab, die Landschaft wird grüner und wir sind umgeben von schön geschwungenen Bergen.
Dann landen wir in einer wuseligen und nicht gerade hübschen Stadt, einem Hostelzimmer mit Mini-Fensterluke und irgendwie versteckt sich die Schönheit von Baños doch ziemlich. Der Land-Stadtkontrast war jetzt wohl doch zu groß, ebenso unsere Erwartungen.
Wir schauen uns ein wenig um, überlegen eine Tour in den Dschungel zu buchen. Aber für richtiges Dschungelfeeling ist uns die Anreise mit 9 Stunden doch zu weit. Für den ersten Tag heißt es erst einmal, die Erwartungen wieder runterschrauben, die Schönheit hier vielleichtnoch finden und den Frust mit einer Pizza zu ersticken.
Am nächsten Tag haben wir eine 5$-Schnäppchentour zu den vielen Wasserfällen gebucht, inklusive des Pailon del Diablo, einem in Ecuador sehr bekannten Wasserfall.
Wir hätten eigentlich schon bei dem Preis hellhörig werden sollen – statt Wasserfälle gibt es Stopps an Actionsparks mit Zip-Lines, Süßigkeitenläden, Seilbahnen. Alles Stopps die extra Geld kosten und nur sehr wenig mit Wasserfällen und Natur zu tun haben. Wir sind auf einer ecuadorianischen Kaffeefahrt gelandet. Fehlen nur noch die Heizdecken – natürlich aus Alpaca.
Stilecht findet solch eine Kaffeefahrt natürlich mit einem blinkenden bunten Bus statt. Zur Unterstützung sind noch Lautsprecher mit ordentlich Power unter der Decke angebracht, so dass auch bei nicht mehr so guten Ohren noch ein Ton die Gehörnerven erreicht. Pech für all jene, die noch gut hören.
Zum Pailon del Diablo ging es aber am Ende doch noch. Die Wassermassen waren heute derart groß, dass wir gar nicht alle Wege gehen konnten. Ganz trocken bleibt hier niemand.
Und dann gehts blinkend und schallend auch schon wieder zurück. Den Nachmittag haben wir genutzt, um einfach mal nichts zu tun und diese schöne Fahrt auf uns wirken zu lassen. Und wir haben ein sehr schönes veganes Café gefunden, wo uns die schöne Gestaltung und das leckere Essen einfach gut tat. Eine kleine Oase für uns.
Banos bedeutet vor allem Freizeitvergnügen, Action und Adrenalin. Und ja, baden kann man auch, es gibt einige heiße Quellen.
Auf den Bergen und in den Schluchten rund um Banos gibt es alles, was das Actionherz begehrt. Ziplines, Abseiling, Klettersteige, Schaukeln direkt am Abhang, riesige Figuren wie King-Kong, in dessen Hand man sich legen kann und zahlreiche Selfie-Kulissen.
Wer Ruhe und Natur sucht oder leider fälschlicherweise erwartet, ist hier nicht unbedingt am richtigen Ort. Auf seine Kosten kommt, wer es laut und bunt mag und Action sucht. Die Ecuadorianer lieben es und so bedient der Ort nicht nur die Interessen von ausländischen, sondern auch die der ecuadorianischen Urlauber.
Wir ziehen gerne weiter und überlassen den Adrenalinjunkies das Terrain.
Zu unserem nächsten Ziel Riobamba fahren wir wieder mit dem Taxi. Das erste und einzige mal auf unserer Reise fährt uns eine Taxifahrerin. Doch wie auch bei anderen Fahrer, ist das Handy während der Fahrt das liebste Spielzeug. Da werden Nachrichten verschickt und abgehört und Fotos aus dem Fotoalbum rausgesucht, verschickt und gezeigt. Alle 30 Sekunden greift die Hand nach dem Telefon und der Blick versinkt im Display. Eine Wohlfühltaxifahrt sieht anders aus. Aber es wird besser, nachdem unsere Unmut bemerkt wurde und wir kommen heil in Riobamba an.
Auf der Strecke passieren wir immer wieder sehr miserable Streckenabschnitte, die Anwohner, oft Familien mit Kindern, in Eigenregie ausbessern und dafür die Autofahrer um einen Obolus bitten. Das ist ein gutes Beispiel, wie aus der Not heraus eine Einnahmequelle erschlossen wird.