Unser nächste Station ist Riobamba, die wir mal wieder mit dem Taxi erreichen. Eine sehr authentische Stadt auf 2800 Metern. Von hier aus soll es am nächsten Tag zum inaktiven Vulkan Chimborazo gehen, Ecuadors höchstem Gipfel mit 6263 Metern. Es gibt übrigens keinen Punkt der weiter vom Erdmittelpunkt entfernt ist, als der Gipfel des Chimborazos. Hier überragt er sogar den Mount Everest. Das liegt an seiner Nähe zum Äquator und der Tatsache, dass die Erde nicht kugelrund ist, sondern an den Polen abgeflacht.
Der Tag beginnt zuerst mit einem leckeren Frühstück, u.a. mit Joghurt und Müsli, das es bisher auf unserer Reise nirgends gab. Das liegt an unserer Unterkunft Rinzon Aleman. Ein schönes Gästehaus, das von einem deutsch-equadorianischem Paar betrieben wird.
Gut gestärkt starten wir mit dem Taxi zur heutigen Tour.
In rund eineinhalb Stunden bringt uns der Fahrer von 2800 Höhenmeter auf 4800 Höhenmeter. Schon die Anreise ist
beeindruckend. Immer wieder sehen wir grasende Vicunhas und können einen Blick auf den Berg erhaschen, wenn dir Wolken ihn freigeben
.und die sind an diesem Tag sehr gnädig gestimmt.
Mit steigender Höhe wir die Vegetation stetig spärlicher, bis nur noch Geröll zu sehen ist.
Noch ein kurzen Zwischenstopp am Entrada, wo wir uns registrieren müssen, und eine 20minütige holprige Fahrt später, steigen wir am Parkplatz am ersten Refugio aus. Und stehen auf 4830 Metern Höhe. Ab hier geht’s nur noch zu Fuß weiter. Und das ist auch unser Plan. Die 200 Höhenmeter auf einer Strecke von 900 Metern müssten doch zu schaffen sein.
So richtig gut fühlen wir uns schon nach den ersten Fotos nicht mehr. Gut, also erst in die Hütte zum Stärken. Cocatee soll ja bekanntlich gegen die Höhenkrankheit helfen, also schnell her damit. Zucker ist auch gut, als rein in den Tee und obendrauf noch einen zuckrigen Donut.
Scheint aber irgendwie doch nicht zu helfen. Zumindest bei mir nicht, denn Markus scheint keine Probleme mit der Höhe zu haben, während ich mich sehr benommen fühle. Und das kommt nicht vom Cocatee.
Das Ziel 5000 Höhenmeter ist so verlockend, dass wir es auf jeden Fall probieren wollen. In Zeitlupe bewegen wir uns den Pfad hinauf. Man könnte denken, es ist Slow Motion. Nach 50 Metern stehen Pferde bereit, müde Menschen, hochzutransportieren. Ich liebäugele kurz damit, will es aber selber schaffen.
Richtig weit komme ich aber nicht. Mir ist eiskalt bis auf die Knochen, ich habe starke Nackenschmerzen und Übelkeit macht sich bemerkbar.
Ich entscheide mich schweren Herzens Verstand gegenüber Wille siegen zu lassen und kehre mit Markus zusammen um. Flo und Claudia setzen den Weg fort.
Ok, jetzt kann nur noch ein Cocatee helfen. Zurück in die Hütte und Tee schlürfen. Hilft aber nicht.
Wir bitten unseren Taxifahrer, uns schon mal etwas tiefer zur Entrada zu bringen.
Dort finden wir ein verwaistes Cafe, wo zu unserem Erstaunen tatsächlich jemand bedient. Es scheint, als ob jahrelang keine Besucher hier waren.
Jetzt sm besten noch einen Cocatee. Muss ja irgendwann mal helfen. Diesmal ist er auch stärker als oben.
Die Kälte hat sich aber festgesetzt und ich bin erleichtert unser Taxi zu erblicken, das Claudia und Flo nach dem Abstieg am ersten Refugio wieder einsammelt.
Ich möchte nur noch ins Bett und erstmals schlafen.
Noch hoffe ich, das es ein längeres Nickerchen schon richten wird, denn es ist unser letzter gemeinsamer Abend.
Morgen früh trennen sich unsere Wege. Claudia und Flo müssen zurück nach Quito, um dort von Backpackern zu Vanreisenden zu werden und wir fahren nach Guayaquill weiter.
Doch leider hat es Claudia richtig erwischt. Alle Symptome deuten auf Höhenkrankheit hin und so entscheiden sich die beiden noch am Abend zurück ins 1000 Meter tiefer gelegene Banos zu reisen.
Unser letzter gemeinsamer Abend fällt aus. Weder Claudia noch ich, hätten teilnehmen können. So wird es ein plözlicher und trauriger Abschied.
Zum Glück ging es Claudia und mir am nächsten Tag wieder ganz gut.
Wir hatten die Höhe ziemlich unterschätzt und keine Zeit für Akklimatisierung eingeplant. Hinterher ist man immer schlauer.